Musikladen Reußenzehn

Der graduierte Elektrotechnik-Ingenieur Thomas Reußenzehn jobbt schon während seines Studiums in den Jahren 1974 bis 1978 als Spezialist für Verstärkerreparaturen bei Manfred Büttner (Musik Renz), ehe er sich im Anschluss mit seinem eigenen Musikladen in der Mathildenstraße selbständig machte.

1979 entwickelt er den weltweit ersten Röhren-Bass-Preamp im 19-Zoll-Format für Joky Becker (Rodgau Monotones) und trägt damit einen gewichtigen Teil zur Etablierung des 19-Zoll-Standards bei Musikergeräten bei.

1980 dann löst er durch das ursprünglich für die Rodgau Monotones 'erfundene' Marshall-Tuning ein wahren Boom aus, die halbe Szene von Bap bis zu den Toten Hosen spielt getunte Reu-Marshalls (Reu-o-Grande).

Nach der Geschäftsübergabe an Joky Becker produziert Thomas Reußenzehn weiter als Ein-Mann-Handwerksbetrieb Hightech-Equipment auf Röhrenbasis, und zwar sowohl für die Bühne, als auch für den HiFi-Bereich.

Seit 2009 unterhält er auch wieder ein Ladengeschäft in Frankfurt-Oberrad ("Frankfurter Röhrenmanufaktur").

Röhrenklang mit Solarkraft

 

Thomas Reußenzehn ist ein Tüftler. Schon seit Jahrzehnten hat es ihm der warme Klang der guten alten Röhren angetan. Deswegen setzt er auf "Tube Power" und entwickelt Verstärker für Hifi-Anlagen und Musiker auf Grundlage der gläsernen Kolben.   

Von Simone Weil (Artikel Offenbach Post, 5. Juli 2011)

Während die Atomdebatte noch voll im Gang ist, bringt Thomas Reußenzehn den ersten sonnenbetriebenen Röhrenverstärker auf den Markt. "Alle sprechen über die Energiewende - ich möchte lieber direkt etwas dafür tun", erklärt der Inhaber der Röhrenmanufaktur, der auch geprüfter Energieberater ist.

 

Jetzt hat er den weltweit ersten solarbetriebenen Röhrenverstärker gebaut. "Alle sprechen über die Energiewende - ich möchte lieber direkt etwas dafür tun", erklärt der Manufaktur-Inhaber. Seit langem interessiere er sich nicht nur für den Klang, den seine Geräte produzieren, sondern auch für deren Stromverbrauch. Deswegen habe er auch noch eine Weiterbildung zum geprüften Energieberater aufgesattelt, sagt der 56-Jährige, der sich gern jenseits ausgelatschter Pfade bewegt.

 

Für die aktuelle Neuentwicklung musste der Stromverbrauch des röhrengetriebenen Gitarrenverstärkers EL34 Eco Plus um mehr als die Hälfte auf zwölf Volt und 2,4 Ampere gesenkt werden. Dadurch kann der "Eco plus" jetzt CO2-neutral mit einem gängigen zwölf-Volt-Solarpanel arbeiten. Im Transport-Koffer befinden sich zwei Akkus, die einen etwa drei bis vierstündigen Spielbetrieb auch bei bewölktem Himmel ermöglichen. Das Solarpanel lädt alternativ den Akku, auf dem gerade nicht gespielt wird. Die hohen Betriebsspannungen, die sonst Röhrenverstärker netzabhängig machen, werden im Gerät selbst erzeugt. Die Ausstattung ist klein und handlich und sieht noch dazu gut aus.

 

Der aktuelle Auslöser für die umweltfreundliche technische Weiterentwicklung war ein Kunde, der mit seinem Reußenzehn-Verstärker mobil sein wollte. Er hatte Haus und Hof verkauft, um künftig mit einem Boot im Mittelmeer unterwegs zu sein. Weil er dabei auf den lieb gewonnen Röhrenklang nicht verzichten wollte, ließ er seine Geräte auf Solarbetrieb umrüsten.

 

Reußenzehns Verstärker sind handgefertigte Unikate

 

Viele Jahre war der Elektroingenieur in Bieber daheim, dann zog es ihn mit seiner Familie und seinem Handwerksbetrieb zehn Jahre lang in die Rhön. Seit etwa zwei Jahren lebt der an der Sachsenhäuser Klappergasse geborene Bastler wieder in Hessen und hat sich in einem Fachwerkhaus in Oberrad niedergelassen - die Postanschrift in Bieber aber immer beibehalten.

 

Reußenzehns Verstärker sind handgefertigte Unikate. Der Erfinder hat mit dazu beigetragen, dass hochwertige Audio-Röhrenverstärker Mitte der 90er Jahre in High-End-Kreisen wieder salonfähig wurden. Zu den Kunden zählen nicht nur HiFi-Freunde aus der ganzen Republik, sondern auch bekannte Musiker wie Billy Gibbons von ZZ Top oder zum Beispiel Adax Doersam, Gitarrist von Xavier Naidoo, und weltweit viele Musikbegeisterte.

 

Für den besonderen Einfallsreichtum des Ingenieurs spricht ein Röhrenkopfhörer-Komplettsystem, das er sich in den 90er Jahren für Zahnarztpraxen ausgedacht hatte. Frei nach dem Motto "Je besser der Klang, desto kleiner die Angst vorm Bohrer" wollte er damit Patienten von ihrer Pein befreien oder zumindest ablenken. In Zusammenarbeit mit einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt versuchte Reußenzehn außerdem Patienten, die unter qualvollen Ohrgeräuschen wie Tinnitus leiden, durch hervorragende Tonqualität der Musik ein wenig Entspannung zu verschaffen. Eine Weiterentwicklung wiederum beschäftigte sich mit einem System, das schwer Hörgeschädigten die Töne als neue Offenbarung zugänglich machen sollte.

Homepage: www.reussenzehn.de